Weihnachtsmann, Christkind und heidnische Götter

Die Frage ob Weihnachtsmann oder Christkind lässt sich relativ einfach klären:

in den eher katholisch geprägten Gegenden ist es das Christkind (verniedlicht der heilige Christ). In eher evangelisch geprägten Gegenden bzw. atheistischen Haushalten ist es dagegen der Weihnachtsmann. Bis etwa zum Jahr 1535 spielte diese Frage allerdings keine Rolle, denn da war es für alle Menschen christlicher Länder der heilige Nikolaus von Myra – ein lykischer Bischof (heute in der Türkei). Erst Martin Luther schaffte für die deutschen Protestanten die Bescherung am Nikolausabend ab und verfügte, dass nur der heilige Christ gute Gaben bringen sollte. Interessanterweise wechselten über die Folgejahre heiliger Christ und Nikolaus – inzwischen als Weihnachtsmann – die Fronten. Der reformatorische heilige Christ war bei den Katholiken nun der Gabenbringer, bei den Protestanten wurde es der Weihnachtsmann.

Etymologieforscher und Theologen fanden heraus, dass die Figur des Weihnachtsmannes aus einer Vermischung des heiligen Nikolaus mit dem germanischen Gott Wodan (nordisch Odin) entstanden ist.
Wodan ist in der germanischen Mythologie ein Gott der Weisheit und des Wissens, ein Wanderer zwischen den Welten und ein Gott des Rausches. So wie dem Weihnachtsmann wandert er unter den Menschen von Haus zu Haus. So wie dieser prüft er gelegentlich die Menschen auf ihre Ehrbarkeit.
Die meisten kennen Wodan als Figur aus der Weihnachtszeit sogar. Unter dem Namen Knecht Ruprecht oder Krampus. Die Kirche hatte den heidnischen Gott zu einem Dämon erklärt und ihn zum bestrafenden Diener vom heiligen Nikolaus bzw. Weihnachtsmann gemacht.

Inzwischen bestätigt die Forschung auch, dass sowohl das Weihnachtsfest als solches, als auch der Weihnachtsmann, ebenso wie auch der Weihnachtsbaum heidnischen Ursprungs sind. Die Wurzeln des Weihnachtsfestes hatte ich bereits im Artikel „Germanische Wurzeln des Weihnachtsfestes“ aufgeführt. Und dem Weihnachtsbaum hatte ich mich in meinem Artikel „Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg“ behandelt.

Warum schreibe ich das alles?
Will ich mit Weihnachten das größte Fest der westlichen Welt und der Christenheit demontieren?
Ganz im Gegenteil. Ich möchte euch zeigen, dass all unsere Traditionen vielfältige Wurzeln haben, die uns alle verbinden. Die Völker unserer Vorfahren haben sich gegenseitig genauso beeinflusst, wie es heute statt findet. Traditionen verändern sich. Sie werden jedoch niemals bedroht. Eine Tradition wird aufrecht erhalten, solange sie für Menschen wichtig ist. Aber sie ist nicht mehr.
Ich wiederhole mich gerne: Ich bin froh, dass die Tradition der Menschenopfer der alten Germanen aufgegeben wurde. Von heute merkwürdig erscheinenden Heiratsritualen bis hin zu Haartracht (ich erinnere gerne an den Suebenknoten) und Kleidung (Wer trägt heute noch einen Peblos im Alltag?) gab es immer wieder Traditionen die sich entwickelt haben, weiterentwickelt haben oder aufgegeben wurden. Aber jeder kann das für sich selbst bestimmen. Keiner kann mich zwingen, christliche Lieder zu den geweihten Nächten zu singen. Ebenso werde ich von niemanden verlangen, die Rauhnächte zu zelebrieren. Niemand geht zu euch nach Hause und klaut euch den Baum aus dem Wohnzimmer. Mag sein, dass ihr in der Öffentlichkeit Dispute führt, ob es nun Wodan, Knecht Ruprecht, Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann heißen soll, doch was ihr zu Hause in eurer Stube macht, ist am Ende ganz allein eure Sache.
Ob ihr eine Weihnachtsgans ganz heidnisch-schamanisch mit Beifuß würzt oder doch lieber zu Würstchen mit Kartoffelsalat greift, schreibt euch keiner vor. Auch kein Politiker oder Ausländer oder Flüchtling oder Andersgläubige.

So wünsche ich allen Menschen, ganz gleich welcher Abstammung, Hautfarbe oder Religion ab morgen eine wunderschöne Vorweihnachtszeit, mystische Rauhnächte, einen tollen Advent und uns allen geweihte Nächte.

Quellen:

 

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Über Felis Saeva

Spirituelle Sanitäterin, heidnische Hexe, Runenwerferin, Baumschmuser, Buchstabenverdreher. Herzmensch, Piratenbraut und Katzenflüsterer. Herz und Seele vom Efeutraum (siehe Links). Liebe ist das Beste was wir geben und empfangen können.
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Eine Antwort zu Weihnachtsmann, Christkind und heidnische Götter

  1. ti schreibt:

    sehr schön geschrieben!

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