Stimmungsfarbig

Josef stand vor dem Spiegel. Kummerfalten zerfurchten seine Stirn. Braun. Wie erwartet. Wie befürchtet. Er seufzte tief. Er öffnete den Medizinschrank und nahm ein Tablettenröhrchen heraus. Mit einem Schluck Wasser aus dem Zahnputzbecher spülte er die Tablette herunter und schlurfte dann in die Küche. Sekunden später ratterte die Kaffeemaschine.
Er wünschte, der Duft könnte dazu beitragen, seine Stimmung zu heben. Aber die war seit Wochen im Keller und nun hatte er die Quittung. Er warf einen Blick in die Zeitung, ohne sie wirklich zu lesen. Immer wieder warf er einen Blick auf die Uhr. Ging mit der Tasse in der Hand ans Fenster, vermied aber sorgfältig, das Licht anzuschalten. Er wollte sein eigenes Spiegelbild nicht sehen.

Als eine halbe Stunde vergangen war, ging er wieder ins Bad. Der Blick in den Spiegel war nervös. Manchmal schlug die Tablette einfach nicht an. Er hatte schon von anderen gehört, dass die Wirkung immer öfter ausblieb. Glück gehabt. Erleichterung machte sich breit und schaffte es fast, die gedrückte Stimmung, die ihn seit Wochen verfolgte, ein bisschen zu dämpfen. Seine Haut war hell, wie sie sein sollte. Er würde über den Tag kommen. Trotzdem packte er sicherheitshalber einen Hut, ein Tuch und eine Sonnenbrille ein. Nur für den Fall, dass er länger als die 8 Stunden unterwegs war, die ihm die Tablette nun gab.
8 Stunden Normalität. Kein Spießrutenlauf. Kein Rechtfertigen. Es war so unendlich frustrierend. Da ging es einem schon schlecht, dann veränderte sich nach einigen Tagen die Hautfarbe. Je tiefer die Stimmung, desto dunkler. Es  betraf nicht alle Menschen. Nur einige. Und die Wissenschaftler hatten heraus gefunden, dass es immer mehr wurden. Wohl ein Gendefekt.
An sich war es nicht schlimm. Es tat nicht weh, war nicht ansteckend und machte keinen zu einem besseren oder schlechteren Menschen. Es war halt so, dass jeder sehen konnte, wenn einer mit diesem Gendefekt schlecht drauf war. Da es aber hieß, dass depressive Menschen unkonzentrierter und weniger leistungsfähig seien, wurden sie immer ein bisschen mit Skepsis beäugt. Würde er seine Arbeit ganz normal packen oder würde er plötzlich vor einem Kunden in Tränen ausbrechen? Vielleicht gar die Waren durch die Gegend werfen oder im Extremfall auf andere losgehen? Man hatte ja soviel gehört.
Für die Betroffenen war es eine enorme Erleichterung, als dann diese Tabletten auf den Markt gebracht wurden. Denn keiner fragte, wie man zum Teufel aus einer Depression rausfinden sollte, wenn jeder einen behandelte, als sei man irgend eine Art Monster, das jeden Augenblick austicken könnte?!
8 Stunden versprach der Anbieter, würde die Wirkung anhalten. 8 Stunden ein normales Leben. Man fühlte sich zwar nicht besser oder konnte mehr leisten, aber man hatte seine Ruhe. Man stach nicht aus der Masse heraus. Und wer unauffällig war, wurde in Ruhe gelassen.


Wie gut, dass das obig Geschriebene nur eine Geschichte ist und keine Realität. Nicht auszudenken, es könnte jeden von uns treffen, mit Diskriminierung konfrontiert zu werden.

Veröffentlicht unter Allgemein, Kreativ, Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Warum

Warum blogge ich derzeit soviel über meine persönliche Haltung gegenüber Ausländern, Einwanderern, Flüchtlingen, Asylsuchende, besorgte Bürger, AfD-Anhänger, usw.?

Sicher geht es ein Stück weit um Selbstdarstellung. Schaut her, das ist meine Meinung, meine Überzeugung. Eigentlich ist sie unwichtig für euch da draußen. Es gibt jedoch einen Punkt, wo es wichtig wird. Wenn es eines Tages heißt: Wie hast du dazu gestanden?

Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, meinen Hals für andere hin zu halten. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, mich im Notfall gegen andere Menschen zu stellen, wenn darum geht, Freiheit, Frieden und Menschlichkeit zu verteidigen. Ich denke, auch ich werde in solch einer Situation Angst haben. Da ich noch nie in solch einer Situation war, weiß ich nicht, ob ich in der Lage sein werde, für meine Werte einzustehen. Was ich jedoch weiß ist, was genau das für Werte sind. Und das Mindeste, was ich von mir sagen können möchte ist, ich habe eine Wahl getroffen.

Veröffentlicht unter Emotionen, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Ich habe den Mut 

Auf den sozialen Seiten meiner spirituellen Seite Efeutraum habe ich vor einigen Tagen geschrieben, dass das Gehirn Verneinung nicht versteht. Die (bei den meisten Menschen) rechte Hirnhälfte, die für Kreativität, Gefühle und Erinnerungen zuständig ist, kennt nur positiv und bekommt mit der rationalen linken Hirnhälfte dann einen Konflikt.
Darum sage ich nich: Ich habe keine Angst. Ich sage: ich habe den Mut. Auch ich fürchte mich manchmal, aber grundsätzlich habe ich den Mut. Ich werde weiterhin für die Freiheit einstehen. Ich werde weiterhin für ein soziales Miteinander einstehen. Ich werde weiterhin für das Recht des Einzelnen einstehen, sein Leben leben zu dürfen. Furcht und Angst sind Emotionen und die entstehen immer in uns drin. Unsere tierischen Überlebensinstinkte reagieren auf Bedrohung, egal ob direkt oder indirekt, mit Angst. Wir sollen weglaufen. Aber schon in dem Moment, wo es keine direkte Bedrohung gibt, darf ich mein logisches Denken wieder einschalten. Ich bin ein Mensch und habe die Möglichkeit, das Recht, aber auch die Pflicht, zu denken. Ich kann mir ganz individuell klar machen, ob ich jetzt, in diesem Augenblick, wo ich in eine Decke eingewickelt auf dem Sofa sitze und schreckliche Nachrichten im Fernseher sehe, wirklich bedroht werde. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Immer schon gewesen.

Ängstliche Menschen in diesem Land verstehen nicht, dass die Menschen die sie gerade bekämpfen und vertreiben möchten, vor all dem Krieg, der Angst und dem Terror hierher geflohen sind. Diese Menschen wollen nichts weiter, als in Frieden leben. Sie haben den Schrecken zurücklassen wollen, doch er ist ihn gefolgt. Hat sich möglicherweise unter sie geschmuggelt. Gewalt und Terror wollen, dass die Menschen ängstlich sind, denn ängstliche Menschen lassen sich viel leichter instrumentalisieren.

Ich wünsche mir von Herzen, dass all die ängstlichen, die besorgten Menschen irgendwann einmal verstehen dass es bei Anschlägen nicht darum geht, einfach nur Menschen zu verletzten und zu töten. Es geht darum, Angst zu verbreiten. Es geht darum Menschen auseinander zu treiben. Es geht darum Misstrauen zu sähen. Liebe Besorgte, leider muss ich es euch sagen: ihr werdet benutzt.

Veröffentlicht unter Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ohnmachtsutopien

Familiendramen.
Diverse sexuelle Übergriffe in U-bahnen, auf offener Straße, in Kneipen und in öffentlichen Schwimmbädern.
Gewaltaufmärsche.
Randale in Flüchtlingsheimen.
Anschläge auf Flüchtlingsheime
Totschlag.
Männer die ihre Frauen mit einem Seil ans Auto binden und durch die Straßen schleifen.
Amokläufer, die willkürlich Menschen niederschießen.
Mütter, die mit Benzin übergossen werden und angezündet werden.
Attentate.
Krieg.

Es gibt noch so viele schreckliche und verstörende Beispiele.

Ohnmacht macht sich breit. Ich bin ein guter Mensch, aber ich kann nichts dagegen tun. Aus Ohnmacht entsteht Wut. Was sind das für Menschen, die sowas tun? Sind das überhaupt noch Menschen? Was wollen die? Können die nicht weg? Ganz weit weg?

Und dann stehe ich da. Ich bin auch ein guter Mensch. Ich fühle die selbe Ohnmacht. Die selbe Wut auf die Täter. Es nützt aber den Opfern nichts. Es nützt absolut niemanden etwas. Ich verstehe eure Gedanken und eure Wut. Gemeinsam können wir die Welt verbessern.

Lasst uns Sprachbarrieren niederreißen. Wer immer in einem anderen Land ist, muss die dortige Sprache lernen. Wer dort leben möchte, sollte mehr als nur die Grundlagen beherrschen. Dazu sind Sprachschulen und Sprachlehrer notwendig. Das ist kein Zeichen von Arroganz Seiten des jeweiligen Landes. Es geht um aller Leben. Erst wenn ich kommunizieren kann, kann ich mich auch in Notfällen ausdrücken und Hilfe rufen.

Lasst uns vorleben, wie wir die Welt haben wollen. Wenn wir uns von Angst steuern lassen, dann wird es eben eine ängstliche Welt. Wenn wir uns von Gewalt steuern lassen, wird es eine gewalttätige Welt. Aber wenn wir mit Respekt behandelt werden möchten, so müssen wir jeden, auch und gerade den, den wir nicht mögen, mit Respekt behandeln. Auch dann, wenn wir sein Handeln wirklich nicht verstehen oder ablehnen.

Ich muss nicht alles tolerieren. Aber wenn ich will, dass ein Mensch schädliches Verhalten ablegt, bringe ich ihn nicht dazu, wenn ich ihn wie Dreck behandel. Ja, es ist schwer. Nein, es gelingt mir selbst nicht immer. Aber wir können daran arbeiten.

Wenn wir wollen, dass Menschen unsere Regeln eines friedlichen Miteinanders leben, dann müssen sie diese nicht nur kennen, sondern auch ihren Hintergrund verstehen. Je mehr Menschen wir das beibringen, desto erfolgreicher wird dieses Vorhaben.

Es gibt Menschen, die völlig irrational handeln. Impulsiv, (selbst)zerstörerisch, extremistisch, zusammengefasst: Bösartig. Es ist sehr schwer zu glauben, dass ein Mensch, der Böses tut, nicht zwingend böse ist. Und doch haben wir alle von dem Attentäter gehört, dessen Familie ihn nur als liebevoll beschreiben kann. Oder die Anhängerin einer Terrorgruppe, die sich aufopferungsvoll um Waisenkinder kümmert.
Hier kann psychische Hilfe manchmal Wunder bewirken. Viel Böses entsteht aus Angst. Angst vor dem zu kurz kommen, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Veränderung, Angst vor dem Tod, Existenzangst, Bindungsangst, Verlustangst. Wenn die Angst besiegt wird, bleibt keine Leere, dann bleibt ein gutes Leben.

Leider gibt es auch Menschen, deren Ängste zu stark sind oder deren Wille, an sich zu arbeiten zu schwach ist. Es bringt nichts, diese Menschen abzuschieben. Es bräuchte ein Netz von psychiatrisch auf dem neusten Stand stehenden, geschlossenen Einrichtungen weltweit, welche sich solcher Menschen annehmen. Wo Menschen mit völlig zerstörter Psyche (und diese können nach außen hin durchaus völlig gesund wirken) weiter behandelt werden. Auch wenn sie vielleicht nie wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden können, gibt es keinen Grund, auch nur einen einzigen Menschen aufzugeben.
Mir ist klar, dass meine Vorstellungen utopisch sind, denn die heutige Gesellschaft ist in Wahrheit wenig an glücklichen und zufriedenen Menschen interessiert, sondern vor allem an Reichtum und Macht. Dennoch halte ich daran fest, denn schon manch unglaubliche Utopie der Vergangenheit wurde wahr.

„Denn jeder, der einen Menschen tötet, der gelte wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben eines Menschen rettet, der gelte wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“ (Talmud)

Nachwort:
Ich habe meine Worte bewusst so gewählt, dass sie sowohl auf Aus- wie auch auf Inländer zutreffen. Menschen, die schlecht handeln gibt es überall, ebenso wie es überall Angst gibt. Es gibt aber auch überall gute Menschen. Und wenn wir eine gesamte Bevölkerungsgruppe – egal ob es sich hierbei um ein Land, eine Region oder eine Religionsgemeinschaft handelt – auf die schlechten Menschen reduzieren, bestrafen wir auch die guten Menschen und lassen sie immer mehr allein.

Veröffentlicht unter Emotionen, Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Weihnachtsmann, Christkind und heidnische Götter

Die Frage ob Weihnachtsmann oder Christkind lässt sich relativ einfach klären:

in den eher katholisch geprägten Gegenden ist es das Christkind (verniedlicht der heilige Christ). In eher evangelisch geprägten Gegenden bzw. atheistischen Haushalten ist es dagegen der Weihnachtsmann. Bis etwa zum Jahr 1535 spielte diese Frage allerdings keine Rolle, denn da war es für alle Menschen christlicher Länder der heilige Nikolaus von Myra – ein lykischer Bischof (heute in der Türkei). Erst Martin Luther schaffte für die deutschen Protestanten die Bescherung am Nikolausabend ab und verfügte, dass nur der heilige Christ gute Gaben bringen sollte. Interessanterweise wechselten über die Folgejahre heiliger Christ und Nikolaus – inzwischen als Weihnachtsmann – die Fronten. Der reformatorische heilige Christ war bei den Katholiken nun der Gabenbringer, bei den Protestanten wurde es der Weihnachtsmann.

Etymologieforscher und Theologen fanden heraus, dass die Figur des Weihnachtsmannes aus einer Vermischung des heiligen Nikolaus mit dem germanischen Gott Wodan (nordisch Odin) entstanden ist.
Wodan ist in der germanischen Mythologie ein Gott der Weisheit und des Wissens, ein Wanderer zwischen den Welten und ein Gott des Rausches. So wie dem Weihnachtsmann wandert er unter den Menschen von Haus zu Haus. So wie dieser prüft er gelegentlich die Menschen auf ihre Ehrbarkeit.
Die meisten kennen Wodan als Figur aus der Weihnachtszeit sogar. Unter dem Namen Knecht Ruprecht oder Krampus. Die Kirche hatte den heidnischen Gott zu einem Dämon erklärt und ihn zum bestrafenden Diener vom heiligen Nikolaus bzw. Weihnachtsmann gemacht.

Inzwischen bestätigt die Forschung auch, dass sowohl das Weihnachtsfest als solches, als auch der Weihnachtsmann, ebenso wie auch der Weihnachtsbaum heidnischen Ursprungs sind. Die Wurzeln des Weihnachtsfestes hatte ich bereits im Artikel „Germanische Wurzeln des Weihnachtsfestes“ aufgeführt. Und dem Weihnachtsbaum hatte ich mich in meinem Artikel „Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg“ behandelt.

Warum schreibe ich das alles?
Will ich mit Weihnachten das größte Fest der westlichen Welt und der Christenheit demontieren?
Ganz im Gegenteil. Ich möchte euch zeigen, dass all unsere Traditionen vielfältige Wurzeln haben, die uns alle verbinden. Die Völker unserer Vorfahren haben sich gegenseitig genauso beeinflusst, wie es heute statt findet. Traditionen verändern sich. Sie werden jedoch niemals bedroht. Eine Tradition wird aufrecht erhalten, solange sie für Menschen wichtig ist. Aber sie ist nicht mehr.
Ich wiederhole mich mich gerne: Ich bin froh, dass die Tradition der Menschenopfer der alten Germanen aufgegeben wurde. Von heute merkwürdig erscheinenden Heiratsritualen bis hin zu Haartracht (ich erinnere gerne an den Suebenknoten) und Kleidung (Wer trägt heute noch einen Peplos im Alltag?) gab es immer wieder Traditionen die sich entwickelt haben, weiterentwickelt haben oder aufgegeben wurden. Aber jeder kann das für sich selbst bestimmen. Keiner kann mich zwingen, christliche Lieder zu den geweihten Nächten zu singen. Ebenso werde ich von niemanden verlangen, die Rauhnächte zu zelebrieren. Niemand geht zu euch nach Hause und klaut euch den Baum aus dem Wohnzimmer. Mag sein, dass ihr in der Öffentlichkeit Dispute führt, ob es nun Wodan, Knecht Ruprecht, Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann heißen soll, doch was ihr zu Hause in eurer Stube macht, ist am Ende ganz allein eure Sache.
Ob ihr eine Weihnachtsgans ganz heidnisch-schamanisch mit Beifuß würzt oder doch lieber zu Würstchen mit Kartoffelsalat greift, schreibt euch keiner vor. Auch kein Politiker oder Ausländer oder Flüchtling oder Andersgläubige.

So wünsche ich allen Menschen, ganz gleich welcher Abstammung, Hautfarbe oder Religion ab morgen eine wunderschöne Vorweihnachtszeit, mystische Rauhnächte, einen tollen Advent und uns allen geweihte Nächte.

Quellen:

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Spiritualität, Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen — emden09

Da hier die Antwort auf einen Kommentar meines letzte rebloggs geschrieben wurde, reblogge ich dies ebenfalls. Aber keine Angst, ich schreib auch schon noch mal was selbst 😉

Ja, es ist viel Arbeit da*. Aber gerade diese Arbeit zu bezahlen gelingt denen nicht, die durch Automatisierung (Computer und Roboter) Ihre Arbeitsplätze verlieren. Umschulung ist ein frommer Gedanke. Natürlich ist nicht jeder Müllwerker zur Pflegekraft geeignet, so wenig wie jeder Automechaniker als Chirurg oder Psychotherapeut. Abgekürzt: wie wir z.B. am Ruhrgebiet erkennen, dauert sogen. […]

über BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen — emden09

Veröffentlicht unter Weltansicht | Kommentar hinterlassen

Old Economy schafft Arbeitsplätze!

Was soll ich dazu sagen. Alles wichtige wurde geschrieben. Vielen Dank dafür.

emden09

Warum tu‘ ich mir das immer wieder an. Lese ich doch heute früh einen Beitrag der FAZ: New Economy schafft Börsenwert, Old-Economy schafft Jobs. Ja Herr je, wie dumm ist diese vermeintliche „Erkenntnis“? Automatisierung, Computer wurden seit jeher benutzt, um Arbeit zu erleichtern, Arbeit zu vermeiden. Dabei fielen und fallen weiterhin Arbeitsplätze weg. Wenn all die Arbeit, die durch Computer wegrationalisiert wird, bei der Herstellung der Computer wieder entstünde, wo wäre der wirtschaftliche Nutzen? Wo wäre die Existenzberechtigung für die Computerindustrie?

Nein FAZ, so wird aus dieser Argumentation kein Schuh. Die Menschen, die sich ob in Wahlen oder wo auch immer gegen Fortschritt wenden, weil der Jobs ruiniere, wollen in Wirklichkeit keine Jobs! Menschen wollen eine Existenzgrundlage und Menschen wollen eine Aufgabe – kurz Teilhabe an der Gesellschaft. Jobs waren die Antwort der Old-Economy auf dieses Bedürfnis der Menschen. BGE ist die Antwort der New-Economy.

Tatsächlich schafft…

Ursprünglichen Post anzeigen 334 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Symptomatische Einhornschokolade

Einige wenige haben es sicher mitbekommen. Rittersport verkauft Einhornschokolade. Also hat verkauft. An einige wenige Glückliche. Beim ersten Onlineverkauf war die begehrte Schokolade binnen weniger Minuten restlos ausverkauft. Kurz darauf tauchten die ersten Verkäufe auf Ebay auf. Preise von 666 Euro und mehr (Stand 16.11.2016) waren möglich. Und die Leute bezahlen diese Preise.
Als Rittersport merkte, wie viele Menschen immer noch so gerne diese Einhornschokolade haben wollten, haben sie, auch um die Ebayleute auszuhebeln, eine neue Auflage produziert. Laut Angaben des Herstellers gar nicht so einfach, da hier spezielle Maschinen notwendig sind, die auch deutlich langsamer arbeiten. Sie haben außerdem ihre Web-Verfügbarkeit verbessert. Dann kam der Moment, wo die Schokolade online gehen sollte und die Menschen stürmten die Seite. In einem nie dagewesenen, unglaublichen Andrang. Die Server brachen wider Erwarten zusammen.
Mit Hochdruck arbeitete das Unternehmen daran, die Problematik zu beheben – sie wollten ja auch sehr gerne verkaufen. Ab und an kam auch eine Meldung in den sozialen Netzwerken. Das muss man als Unternehmen heutzutage, denn sonst gilt das als schlechte Kundenkommunikation. Inzwischen ist die Schokolade wieder ausverkauft.

Ich muss gestehen, die Kommentare der Kunden empfand ich persönlich sehr oft und sehr viel tiefgehender als schlechte Kommunikation. Da wurde beleidigt und geschimpft, was die Tastatur hergab, nur weil eventuell diese individuelle Person keine Schokolade bekommen könnte.
Freunde und Kinder wurden vorgeschoben. Es weihnachtet doch bald. Und wenn dann nicht diese Schokolade ….

… ja was dann? Hört die Welt auf, sich zu drehen? Stirbt einer? Ich meine, es ist nur Schokolade! Und verrückte Geschmacksrichtungen gibt es zu Dutzenden auf dem Markt. Es geht beim Schenken nicht darum, wer das tollste, beste, teuerste, pompöseste Geschenk auftreiben kann, sondern ums Herz. Den geliebten Menschen in den Arm zu nehmen oder die Zeit mit den Kindern zu verbringen, statt F5-drückend vor dem Rechner, das wäre tausend mal wertvoller gewesen.

Ich habe in den letzten Tagen erkannt, warum Menschen Kriege führen. Aus ganz simplen, niederen und vor allem gierigen Beweggründen. Die Angst, zu kurz zu kommen, macht aus ganz anständigen Menschen nicht nur verbale Monster. Angst ist und bleibt ein schlechter Ratgeber.

Veröffentlicht unter Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg!

Alle Jahre wieder, stets zur Weihnachtszeit
macht sich in den Köpfen braunes Denken breit.


Dieses Jahr heißt die aktuellste Sau, die durchs mediale Dorf getrieben wird, “die bösen Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg”.

Der wahre Hintergrund ist, dass aus Kostengründen die norwegische Stadt Lillehammer der Stadt Düsseldorf nicht mehr, wie zuvor seit 35 Jahren, Jahr für Jahr einen gefällten Weihnachtsbaum schenken will.
In dieser Situation, in der eine neue Lösung gesucht wurde, hat eine Bürgerinitiative (!) den Vorschlag gemacht, statt einen gesunden Baum zu fällen, der bis zu 40 Jahre dafür wachsen muss, eine Tanne zu pflanzen und zukünftig jedes Jahr diesen Baum weihnachtlich zu schmücken.
Dieser Vorschlag fand bei grünen Politikern Anklang.

Insgesamt eine durchaus verständliche Überlegung. Kostenersparnis und Umweltschutz zusammen mit dem bewahren, weihnachtlicher Traditionen. Herz, was willst du mehr.

Für das braungefärbte Nazivolk fehlte da leider die Hetze. War aber kein Problem. Fluchs wurde aus einer berechtigten Überlegung die Aussage, ein gefällter Weihnachtsbaum sei vor dem Hintergrund andersgläubiger Flüchtlinge nicht mehr zeitgemäß. Zitat: “Deshalb, Finger weg von unserem Abendland.”
Im Netz wird dieses Thema nun als bitterböser Angriff auf die hochgelobten christlichen Werte betrachtet. Entsprechend bösartig wird gegen Flüchtlinge, Menschen ausländischer Herkunft und Andersgläubige gehetzt.  

Ich persönlich musste an dieser Stelle erst mal tief durchatmen.

Menschen, die sich sonst eher wenig um Religion im Allgemeinen und das Christentum im Speziellen kümmern, sehen plötzlich ihre Werte und Traditionen bedroht.

Nur, was sind das für Werte und Traditionen?

Der heilige Martin stammte aus einer römischen Provinz, die im heutigen Ungarn lag.
Der heilige Nikolaus stammte aus der römischen Provinz Lykien, die heute im der Türkei liegt.
Jesus von Nazareth, ein Jude, stammte aus Galiläa, heutiges Israel.
Die drei heiligen Könige aus dem Morgenland. Umstritten sind ihre Anzahl, die Namen, dass es Könige waren (eher Sterndeuter, Philosophen, Magier) und die Herkunft. Letztere wird mit größerer Wahrscheinlichkeit nach Persien also in den heutigen Iran verortet.
Der christliche Gott selbst ist mit großer Wahrscheinlichkeit in seinen Ursprüngen ein israelischer Wettergott und in seinen früheren Zeiten verheiratet.
Der Streitgegenstand selbst, der Weihnachtsbaum, hat übrigens mehr als einen Ursprung. Der Baum als solcher wurde im germanischen Heidentum als heilig verehrt. ein Hain war eine Waldgruppe, in der verschiedene Gottheiten verehrt wurden.
Bei den Römern wurden Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeer geschmückt und im Mithraskult mit einem geschmückten Baum der Sonnengott geehrt.

Und doch bin ich ganz froh, dass nicht jede kostbare Tradition germanischer Völker mehr gepflegt wird. Nicht jeder würde heute noch einen Suebenknoten tragen wollen. Auch wenn er bei den Sueben, welche den größten Teil Germaniens bewohnten, die typische Haartracht war.
Auch die Abschaffung der Tradition der Menschen- und Tieropfer kann ich heute nur begrüßen.

Traditionen dienen den Menschen. Es sollte nicht umgekehrt sein. Sie sind dazu da, einen Ausgleich zu schaffen, wenn die Veränderungen des Lebens einen überfordern. Aber sie sind nicht auf ewige Zeiten zwingend. Dennoch hat es jeder selbst in der Hand welche Tradition wichtig ist und gepflegt wird. Vielleicht werfe ich auch dieses Jahr in jeder der 12 Rauhnächte eine Rune. Unter einem Gesteck aus Tannenzweigen, die beim Weihnachtsbaumhändler um die Ecke liegen geblieben sind.

Und das muss euch nun eine germanisch-naturreligiöse Heidin mitteilen. Da denken wir doch alle mal ein wenig drüber nach.


Quellen:

https://www.welt.de/regionales/nrw/article159331247/Gruene-hadern-mit-Weihnachtsbaum-vor-Duesseldorfer-Rathaus.html
https://blog.halle-leaks.de/gruene-bekaempfen-christbaum-als-unzeitgemaess/ (Achtung: rechtspopulistische Hetzseite)
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours?wprov=sfla1
https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra?wprov=sfla1
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret
https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige
https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das
bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/jahwe/ch/116b273e55d13db9cf192fbdab85107d/#h13
http://www.at1.evtheol.uni-muenchen.de/forschung/projekte/daten/mueller_jahwe.html
https://www.welt.de/kultur/article112208654/Gottes-geschiedene-Frau-heisst-Aschera.html
http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2012-12/geschichte-weihnachtsbaum
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum
https://de.wikipedia.org/wiki/Suebenknoten
http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-15440/fakt-oder-fantasie-mythos-8-menschenopfer_aid_433665.html
http://www.efeutraum.com/2015/12/03/die-germanischen-wurzeln-des-weihnachtsfestes/

Veröffentlicht unter Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Schrulliger alter Mann – Gedicht

Im Internet macht derzeit ein Gedicht eines alten Mannes die Runde. Er lebte und starb in einem Pflegeheim. Die folgenden Zeilen, die im Original englischsprachig sind, fanden die Pfleger, als sie nach seinem Tod das Zimmer aufräumten. Es soll so viele Menschen wie möglich erreichen, um uns allen vor Augen zu führen, dass auch die ganz Alten einmal jung waren. Das sie gelebt, geliebt, gelitten und gelacht haben.

Cranky Old Man

What do you see nurses? . . .. . .What do you see?
What are you thinking .. . when you’re looking at me?
A cranky old man, . . . . . .not very wise,
Uncertain of habit .. . . . . . . .. with faraway eyes?
Who dribbles his food .. . … . . and makes no reply.
When you say in a loud voice . .’I do wish you’d try!‘
Who seems not to notice . . .the things that you do.
And forever is losing . . . . . .. . . A sock or shoe?
Who, resisting or not . . . … lets you do as you will,
With bathing and feeding . . . .The long day to fill?
Is that what you’re thinking?. .Is that what you see?
Then open your eyes, nurse .you’re not looking at me.
I’ll tell you who I am . . . . .. As I sit here so still,
As I do at your bidding, .. . . . as I eat at your will.
I’m a small child of Ten . .with a father and mother,
Brothers and sisters .. . . .. . who love one another
A young boy of Sixteen . . . .. with wings on his feet
Dreaming that soon now . . .. . . a lover he’ll meet.
A groom soon at Twenty . . . ..my heart gives a leap.
Remembering, the vows .. .. .that I promised to keep.
At Twenty-Five, now . . . . .I have young of my own.
Who need me to guide . . . And a secure happy home.
A man of Thirty . .. . . . . My young now grown fast,
Bound to each other . . .. With ties that should last.
At Forty, my young sons .. .have grown and are gone,
But my woman is beside me . . to see I don’t mourn.
At Fifty, once more, .. …Babies play ‚round my knee,
Again, we know children . . . . My loved one and me.
Dark days are upon me . . . . My wife is now dead.
I look at the future … . . . . I shudder with dread.
For my young are all rearing .. . . young of their own.
And I think of the years . . . And the love that I’ve known.
I’m now an old man . . . . . . .. and nature is cruel.
It’s jest to make old age . . . . . . . look like a fool.
The body, it crumbles .. .. . grace and vigour, depart.
There is now a stone . . . where I once had a heart.
But inside this old carcass . A young man still dwells,
And now and again . . . . . my battered heart swells
I remember the joys . . . . .. . I remember the pain.
And I’m loving and living . . . . . . . life over again.
I think of the years, all too few . . .. gone too fast.
And accept the stark fact . . . that nothing can last.
So open your eyes, people .. . . . .. . . open and see.
Not a cranky old man .
Look closer . . . . see .. .. . .. …. . ME!!


Deutsche Übers
etzung:

Schrulliger alter Mann

Was seht Ihr, Krankenschwestern?  … Was seht Ihr in mir?
Was denkt Ihr  … wenn Ihr versucht, mich anzusprechen?
Ein verschrobener alter Mann  … nicht sehr klug,
Unsicher in seiner Gewohnheit  … mit welchem Blick?
Er fingert in seiner Nahrung  … und gibt keine Antwort.
Wenn Du mit einer sehr lauten Stimme sprichst:  …  “Ich wünschte, du würdest es alleine versuchen!”
Er scheint nichts zu bemerken,  … von den Dingen, die Du tust.
Und ewig verliert er etwas  … eine Socke oder einen Schuh?
Manchmal leistet er Widerstand oder nicht  … kannst Du mit mir tun, was Du willst?
Mit Bädern und Fütterung  … Deinen langen Tag zu füllen?
Ist es das, was Du denkst?  … Ist es das, was Du siehst?
Dann öffne Deine Augen, Krankenschwester  … Du siehst mich nicht!
Ich werde Dir sagen, wer ich bin  … während ich hier sitze so still,
Als ich nach Deiner Pfeife tanzte  … und mich Deinem Willen beugte, um zu essen.
Ich war einst ein kleines Kind  … ich hatte auch einen Papa und eine Mama.
Brüder und Schwestern  … die einander liebten.
Ich war mal ein Junge von sechzehn  … mit Flügeln an den Füßen
Mit Träumen, dass er nun bald  … die Liebe seines Lebens treffen werde.
Ein Bräutigam mit fast zwanzig  … mein Herz tanzte und war glücklich.
Erinnerung an das Gelübde,  … das ich zu halten versprach.
Mit fünfundzwanzig  … bin ich der Herr meines eigenen Lebens.
Niemand braucht mich zu lenken  … und ich habe ein sicheres glückliches Zuhause.
Ein Mann von dreißig  … ich bin schnell gewachsen,
Aneinander gebunden an meine Frau und Kinder  … mit Bindungen, die dauern sollen.
Mit vierzig, meine Söhne  … aufgewachsen und gegangen,
Meine Frau ist immer an meiner Seite  … wir sind glücklich und wir haben uns.
Mit Fünfzig noch mal:  … Babies krabbeln und spielen um meine Knie,
Ach, wir kennen doch die Kinder  … meine Liebste und ich
Dunkle Tage sind nun gekommen  … meine Frau ist tot.
Ich schaue in die Zukunft  … und mich schaudert vor Angst.
Für meine Kinder  … sind ihre eigenen Kinder das Wichtigste.
Und ich denke an all die vergangenen Jahre  … und die Liebe, die ich kannte.
Ich bin jetzt ein alter Mann  … und die Natur ist grausam.
Es jetzt bis ins hohe Alter zu schaffen  … und wie ein Narr aussehen.
Der Körper zerfällt mir  … Gnade und Kraft, sind weggefahren.
Jetzt ist dort nur ein Stein  … wo ich einst mal ein Herz besaß.
Aber in diesem alten Körper  … wohnt noch immer ein junger Mann.
Und hin und wieder  … schwillt mein angeschlagenes Herz
Ich erinnere mich an die Freude  … ich erinnere mich an den Schmerz.
Und ich liebe und lebe  … das Leben immer noch und jeden Tag auf das Neue.
Ich denke an die Jahre, die allzu wenigen  … sie sind zu schnell gegangen.
Und akzeptiere die nackte Tatsache,  … dass nichts ewiglich dauern kann.
Also öffnet Eure Augen, ihr Menschen  … und seht!
Nicht ein verschrobener alte Mann  …
Schaut näher hin  …  seht  …  MICH!

Veröffentlicht unter Emotionen, Weltansicht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar