Die 10-Punkte-Leitkultur von de Maiziere unter realistischerer Betrachtung

  1. Wir legen eigentlich keinen besonderen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen den Namen, mit dem wir angesprochen werden möchten. Das ist nicht zwingend der Name im Ausweis. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand, oder eine Umarmung, ein Küsschen, oder ein freundliches Nicken, je nach Vorliebe. Bei Demonstrationen haben wir ein Vermummungsverbot, an welches sich die Polizei leider meistens nicht halten muss. „Gesicht zeigen“ – das ist Ausdruck unseres demokratischen Miteinanders, solange die Sonne nicht vom Himmel scheint, oder es Schal-kalt ist. Im Alltag ist es für uns von Bedeutung, ob wir bei unseren Gesprächspartnern in ein freundliches oder ein trauriges Gesicht blicken, wir wissen aber, dass einige psychische Einschränkungen das nicht immer klar erkennen lassen. Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen den größten Teil unseres Gesichts und manchmal Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Schal, Bart.
  2. Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert und nicht allein als Instrument, auch wenn sie das letztendlich sind. Schüler lernen – manchmal zu ihrem Unverständnis – auch das, was sie im späteren Berufsleben und Alltag wenig bis gar nicht brauchen, um vor allem Gehorsam zu lernen. Einige fordern daher, Schule solle stärker auf spätere Berufe vorbereiten. Das entspricht aber nicht unserem veralteten Verständnis von Bildung. Allgemeinbildung hat keinen Wert für sich. Auch ohne sie kommt man in Deutschland nachweislich gut über die Runden. Dieses Bewusstsein prägt möglicherweise unser Land, aber mit Sicherheit nicht alle seine Bewohner.
  3. Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann. Überall: Im Sport, in der Gesellschaft, in der Wissenschaft, in der Politik oder in der Wirtschaft, jedoch selten im kreativen oder sozialen Bereich. Wir fordern Leistung, obwohl wir im Grunde nicht das Recht dazu haben. Leistung und Qualität bringen mit viel Glück Wohlstand, oftmals aber nur ein Zubrot zu Harz IV oder einen handfesten Burnout. Der Leistungsgedanke hat unser Land konsumabhängig gemacht. Wir leisten auch Hilfe, wenn der Bedürftige sie zahlen kann, haben soziale Sicherungssysteme und bieten Menschen, die Hilfe brauchen, die Hilfe der Gesellschaft an, die manchmal aber so gar keine Lust darauf hat und lieber über Hilfebedürftige pöbelt. Als Land wollen einige sich das leisten und als Land könnten wir uns das leisten, wenn wir nur ein bisschen menschlicher sein wollten. Auch auf diese Leistung sind wir stolz, ohne dass es Grund dazu gibt, immerhin sollte Hilfeleistung selbstverständlich sein.
  4. Wir sind Erben unserer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen, wobei viele echt ungern auf die Tiefen angesprochen werden. Unsere Vergangenheit prägt unsere Gegenwart und unsere Kultur, da wir es nicht hinbekommen, ihrer zu gedenken, ohne uns abhängig zu machen. Wir sind Erben einer Geschichte vieler verschiedener deutscher Nationen. Für uns ist sie ein Ringen um die noch ziemlich junge Deutsche Einheit, seit jüngster Zeit in Freiheit und Frieden mit unseren Nachbarn, das Zusammenwachsen der Länder zu einem föderalen Staat, das Ringen um Freiheit und das Bekenntnis zu den tiefsten Tiefen unserer Geschichte. Aber bitte nicht zu tief. Am liebsten erst ab 1914 und auch da nur mit dem rechten Auge. Dazu gehört auch ein besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels, welches die meisten von uns akzeptieren.
  5. Wir sind viele Kulturnationen. Kaum ein Land ist so geprägt von Kultur und Philosophie wie Deutschland, behaupten wir gerne, obwohl die Griechen und die Japaner spätestens hier die Stirn runzeln. Deutschland hat besonders in der Kolonialzeit großen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der ganzen Welt genommen. Bach und Goethe „gehören“ der ganzen Welt und waren Deutsche, auch wenn das eigentlich hier keine Rolle spielt, da sie aus einer Zeit stammen, in der man bei weitem nicht von einer deutschen Nation reden konnte. Wir haben unser eigenes Verständnis vom Stellenwert der vielen verschiedenen Kulturen in unserer Gesellschaft, das wir aber nicht näher benennen, weil wir das nicht einmal können. Es ist selbstverständlich, dass bei einem politischen Festakt oder bei einem Schuljubiläum Musik gespielt wird, ob das jemand will oder nicht. Bei der Eröffnung eines großen Konzerthauses sind – wie selbstverständlich – Bundespräsident, Vertreter aus Regierung, Parlament, Rechtsprechung und Gesellschaft vor Ort, denn sie werden dafür bezahlt und bekommen auf diese Weise kostenlose Propaganda. Kaum ein Land hat zudem so viele Theater pro Einwohner wie Deutschland, was hoffentlich niemand genau nachprüft, denn dann würden eine Menge kleiner Kunstbühnen ihrer finanziellen Grundlagen beraubt. Jeder Landkreis ist stolz auf seine Musikschule, welche sich meistens nur Besserverdienende bezahlen können. Kultur in einem weiten Sinne, unser Blick darauf und das, was wir dafür tun, auch das gehört zu uns und wir betonen das, als wäre es für andere Länder anders und als gäbe es in Deutschland so etwas wie eine Einheit (erklären Sie das mal einem Bayern und einem Hanseaten).
  6. In unserem Land ist eigentlich nicht die Religion, sondern Moral Kitt und nicht Keil der Gesellschaft. Leider jedoch wird die Religion bevorzugt, sofern sie christlich ist. Dafür stehen in unserem Land die Kirchen mit ihrem unermüdlichen und manchmal auch ungebetenen Einsatz für die Gesellschaft bis hin ins Schlafzimmer ihrer Angestellten, immerhin haben sie zu befürchten, dass ihnen die Kirchensteuerzahler abhanden kommen. Sie stehen für diesen Kitt – sie verbinden Menschen, die bitte heterosexuell monogam und ehetreu sind, nicht nur im Glauben, sondern auch im täglichen Leben, in Kitas, welche für Vollzeit-Berufstätige völlig sinnfrei sind und Schulen, wo sich die perfekte Gelegenheit bietet, im Religionsunterricht die eigene Doktrin durchzusetzen, in Altenheimen, wo der 80-jährige Schamane ruhig gestellt wird und aktiver Gemeindearbeit, völlig unabhängig von ihrem tatsächlichen Glauben und inklusive Atheisten, ob sie wollen oder nicht. Ein solcher Kitt für unsere Gesellschaft entsteht angeblich in der christlichen Kirche, in der Synagoge, in der Moschee, dem Tempel, dem heidnischen Hain, aber eigentlich bevorzugen wir die christliche Kirche. Das Moralempfinden nichts mit dem Glauben zu tun hat, möchten wir möglichst nicht hören, immerhin haben wir aufgrund dieses Werteverständnisses auch schon Kinderbücher auf den Index gesetzt. Wir erinnern in diesem Jahr an 500 Jahre Reformation, nur um sicher zu gehen, dass es auch der letzte mitbekommt, den es nicht interessiert. Für die Trennung der christlichen Kirchen hat Europa, hat Deutschland einen hohen Preis gezahlt. Mit Kriegen und jahrhundertelangen Auseinandersetzungen, nur um diverse Machtpositionen zu stärken oder zu schwächen, Reichtümer anzuhäufen und Menschen eine Lebensweise aufzuzwingen, die nicht zwingend ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen entsprach. Deutschland ist von einem besonderen Staat-Kirchen-Verhältnis geprägt, unabhängig davon, ob seine Einwohner damit auch übereinstimmen oder dies wünschen. Unser Staat ist leider nicht oft genug weltanschaulich neutral, aber den Kirchen und Religionsgemeinschaften freundlich, steuerlich und auch in persönlichen Bereichen des Einzelnen ohne sein Einverständnis zugewandt. Kirchliche Feiertage, die vor Urzeiten heidnischen Feiertagen übergestülpt wurden, prägen den Rhythmus unserer Jahre. Kirchtürme prägen unsere Landschaft, um die Aussage zu bestärken, das nichts über dem christlichen Gott sein darf. Unser Land wurde christlich geprägt und Religionsfreiheit gibt es nur, wenn auch diese christlich geprägt ist. Wir leben im religiösen Frieden mit den Atheisten und ein bisschen mit den Juden. Vielleicht auch mit den Buddhisten, wenn sie friedlich sind, aber mit den Muslimen und mit den Heiden möchten wir möglichst wenig zu tun haben. Und die Grundlage dafür ist der nicht vorhandene Vorrang des Rechts über alle religiösen Regeln im staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben, wie ihnen jeder kirchliche Angestellte gerne bestätigen kann.
  7. Wir haben in unserem Land eine Zivilkultur bei der Regelung von Konflikten, insofern, als das nicht derjenige der Recht hat Recht bekommt, sondern der mit dem dicksten Geldbeutel. Der Kompromiss ist konstitutiv für die Demokratie und unser Land, zumindest für die die meisten einfachen Bürger. Vielleicht sind wir stärker eine Konsens orientierte Gesellschaft als andere Gesellschaften des Westens. Zumindest hört sich diese Phrase sehr angenehm an. Zum Mehrheitsprinzip gehört der Minderheitenschutz, zumindest, wenn das dem Land finanziell etwas bringt. Wir stören uns daran, dass da einiges ins Rutschen geraten ist, weil wir Angst haben, vielleicht tätig werden zu müssen. Für uns sind Respekt und Toleranz wichtig, aber bitte nur für die einfachen Bürger und auch diese sehen oft genug nicht den Anlass, sich daran zu halten. Wir akzeptieren unterschiedliche Lebensformen, sofern diese nicht allzu stark von der Norm abweichen und wer dies ablehnt, stellt sich außerhalb eines großen Konsenses, was jedoch selten geahndet wird. Gewalt wird weder bei Demonstrationen noch an anderer Stelle gesellschaftlich akzeptiert, aber ist nicht nur verbal gang und gäbe. Wir verknüpfen Vorstellungen von Ehre oft genug in partnerschaftlichen Beziehungen mit Gewalt, auch wenn das Blödsinn ist. Auch heute noch gibt es in Deutschland Erwachsene, die bei Kindern den „Klaps auf den Po“ als legitime Erziehungsmaßnahme betrachten.
  8. Einige halten sich für aufgeklärte Patrioten. Ein aufgeklärter Patriot liebt sein Land und hasst nicht andere, leider wissen dies die wenigsten dieser Patrioten. Es soll aber auch Menschen geben, die Land nicht als besitzfähig betrachten und dennoch wunderschön empfinden. Auch wir Deutschen können so objektiv sein, wenn wir nur wollen. „Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir’s. Und das Liebste mag’s uns scheinen, so wie andern Völkern ihr‘s“, so heißt es in der Kinderhymne von Bert Brecht. Der selbe Brecht, der übrigens äußerte: „Es ist klar aus allem, daß Deutschland seine Krise noch gar nicht erfaßt hat. Der tägliche Jammer, der Mangel an allem, die kreisförmige Bewegung aller Prozesse, halten die Kritik beim Symptomatischen. Weitermachen ist die Parole. Es wird verschoben und es wird verdrängt. Alles fürchtet das Einreißen, ohne das das Aufbauen unmöglich ist.“ – Bertolt Brecht: Journal Schweiz vom 6. Januar 1948, GBA Band 27, S. 262. Ja, es gibt Probleme mit dem Patriotismus. Oft genug wurde er zum Nationalismus, mal trauten sich viele nicht, sich zu Deutschland zu bekennen, als ob es notwendig sei, ein Schild mit der Aufschrift: „Deutsch“ vor sich herzutragen. All das ist leider überhaupt nicht vorbei, vor allem in der jüngeren Generation. Die Nationalfahne, deren Farben dem Lützowschen Freikorps entlehnt sind und die Nationalhymne sind keineswegs selbstverständlicher Teil vom Patriotismus: Einigkeit und Recht und Freiheit. All die Dinge, die gerne hochgehalten, aber selten eingehalten werden.
  9. Unser Land hatte viele Zäsuren zu bewältigen. Einige davon waren mit Grundentscheidungen verbunden. Eine der wichtigsten lautet: Wir sind Teil des Westens, ein Satz dessen fehlende Logik angesichts des mehr oder weniger runden Erdballs niemanden recht auffallen mag. Kulturell, geistig und politisch, wobei auch dies nur Phrasen sein können, denn wo viele westliche Amerikaner ihren Hamburger zum Nationalgericht erklären, winkt der Hanseate mit dem Fischbrötchen und der Bayer mit der Weißwurst. Die NATO schützt offiziell unsere Freiheit und inoffiziell ihren Machtbereich, sowie konsumpolitische Interessen. Sie verbindet uns mit den USA, unserem wichtigsten außereuropäischen Freund und Partner, dem wir tiefer, als allen anderen in die Peripherregion kriechen, egal ob dieser Freund Deutschland ausspioniert oder Gesetze zum Schutz von Umwelt und Gesundheit zum Wohle wirtschaftlicher Interessen aushöhlt. Als Deutsche sind wir immer auch Europäer. Deutsche Interessen sind oft am besten durch Europa zu vertreten und zu verwirklichen. Umgekehrt wird Europa ohne ein starkes Deutschland nicht gedeihen, denn es muss immer einen starken geben. Gleichberechtigung wäre uns zuwider. Wir sind vielleicht das europäischste Land in Europa – kein Land hat mehr Nachbarn als Deutschland, jedoch unterschlagen wir hier gerne, dass Frankreich genauso viele Nachbarländer umgeben. Die geographische Mittellage hat uns über Jahrhunderte mit unseren Nachbarn geformt, früher im Schwierigen, jetzt im Guten. Das prägt unser Denken und unsere Politik aber nicht wirklich, da wir uns auch in Länderangelegenheiten einmischen, die keineswegs in der Nachbarschaft stattfinden.
  10. Wir haben kein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen. Das Brandenburger Tor und der 9. November sind zum Beispiel ein Teil einer angeblich kollektiven Erinnerungen, die jedoch einfach klassisch Unterrichtsstoff in Geschichte und Politik sind, bzw. ausreichend häufig Gesprächsthema. Oder auch der Gewinn der Fußballweltmeisterschaften für alle die, die sowas interessiert. Regionales kommt hinzu: der unsägliche Karneval, vor dem mancher freiwillig in den höchsten Norden, ins Mittelgebirge oder ganz ins Ausland flüchtet oder Volksfeste als Möglichkeit des kollektiven Besäufnisses. Die nicht vorhandene heimatliche Verwurzelung in einem Land, welches in dieser Form erst seit 1871 existiert, die oftmals zugemüllten Marktplätze unserer Städte. Die nostalgisch rosa gefärbte Verbundenheit mit Orten wie Bahnhofsunterführungen, Gerüchen wie aus einer Großküche und Traditionen, die völlig unterschiedlich gestaltet sind. Landsmannschaftliche Mentalitäten, die es absolut nicht gibt und die am Klang der Sprache nicht auszumachen sind, gehören glücklicherweise nicht zwingend zu uns und prägen daher nicht unser Land. Als Beispiel möge Ihnen das Bild dienen, wie ein Schwabe mit einem Sachsen spricht.
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Stimmungsfarbig

Josef stand vor dem Spiegel. Kummerfalten zerfurchten seine Stirn. Braun. Wie erwartet. Wie befürchtet. Er seufzte tief. Er öffnete den Medizinschrank und nahm ein Tablettenröhrchen heraus. Mit einem Schluck Wasser aus dem Zahnputzbecher spülte er die Tablette herunter und schlurfte dann in die Küche. Sekunden später ratterte die Kaffeemaschine.
Er wünschte, der Duft könnte dazu beitragen, seine Stimmung zu heben. Aber die war seit Wochen im Keller und nun hatte er die Quittung. Er warf einen Blick in die Zeitung, ohne sie wirklich zu lesen. Immer wieder warf er einen Blick auf die Uhr. Ging mit der Tasse in der Hand ans Fenster, vermied aber sorgfältig, das Licht anzuschalten. Er wollte sein eigenes Spiegelbild nicht sehen.

Als eine halbe Stunde vergangen war, ging er wieder ins Bad. Der Blick in den Spiegel war nervös. Manchmal schlug die Tablette einfach nicht an. Er hatte schon von anderen gehört, dass die Wirkung immer öfter ausblieb. Glück gehabt. Erleichterung machte sich breit und schaffte es fast, die gedrückte Stimmung, die ihn seit Wochen verfolgte, ein bisschen zu dämpfen. Seine Haut war hell, wie sie sein sollte. Er würde über den Tag kommen. Trotzdem packte er sicherheitshalber einen Hut, ein Tuch und eine Sonnenbrille ein. Nur für den Fall, dass er länger als die 8 Stunden unterwegs war, die ihm die Tablette nun gab.
8 Stunden Normalität. Kein Spießrutenlauf. Kein Rechtfertigen. Es war so unendlich frustrierend. Da ging es einem schon schlecht, dann veränderte sich nach einigen Tagen die Hautfarbe. Je tiefer die Stimmung, desto dunkler. Es  betraf nicht alle Menschen. Nur einige. Und die Wissenschaftler hatten heraus gefunden, dass es immer mehr wurden. Wohl ein Gendefekt.
An sich war es nicht schlimm. Es tat nicht weh, war nicht ansteckend und machte keinen zu einem besseren oder schlechteren Menschen. Es war halt so, dass jeder sehen konnte, wenn einer mit diesem Gendefekt schlecht drauf war. Da es aber hieß, dass depressive Menschen unkonzentrierter und weniger leistungsfähig seien, wurden sie immer ein bisschen mit Skepsis beäugt. Würde er seine Arbeit ganz normal packen oder würde er plötzlich vor einem Kunden in Tränen ausbrechen? Vielleicht gar die Waren durch die Gegend werfen oder im Extremfall auf andere losgehen? Man hatte ja soviel gehört.
Für die Betroffenen war es eine enorme Erleichterung, als dann diese Tabletten auf den Markt gebracht wurden. Denn keiner fragte, wie man zum Teufel aus einer Depression rausfinden sollte, wenn jeder einen behandelte, als sei man irgend eine Art Monster, das jeden Augenblick austicken könnte?!
8 Stunden versprach der Anbieter, würde die Wirkung anhalten. 8 Stunden ein normales Leben. Man fühlte sich zwar nicht besser oder konnte mehr leisten, aber man hatte seine Ruhe. Man stach nicht aus der Masse heraus. Und wer unauffällig war, wurde in Ruhe gelassen.


Wie gut, dass das obig Geschriebene nur eine Geschichte ist und keine Realität. Nicht auszudenken, es könnte jeden von uns treffen, mit Diskriminierung konfrontiert zu werden.

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Warum

Warum blogge ich derzeit soviel über meine persönliche Haltung gegenüber Ausländern, Einwanderern, Flüchtlingen, Asylsuchende, besorgte Bürger, AfD-Anhänger, usw.?

Sicher geht es ein Stück weit um Selbstdarstellung. Schaut her, das ist meine Meinung, meine Überzeugung. Eigentlich ist sie unwichtig für euch da draußen. Es gibt jedoch einen Punkt, wo es wichtig wird. Wenn es eines Tages heißt: Wie hast du dazu gestanden?

Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, meinen Hals für andere hin zu halten. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, mich im Notfall gegen andere Menschen zu stellen, wenn darum geht, Freiheit, Frieden und Menschlichkeit zu verteidigen. Ich denke, auch ich werde in solch einer Situation Angst haben. Da ich noch nie in solch einer Situation war, weiß ich nicht, ob ich in der Lage sein werde, für meine Werte einzustehen. Was ich jedoch weiß ist, was genau das für Werte sind. Und das Mindeste, was ich von mir sagen können möchte ist, ich habe eine Wahl getroffen.

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Ich habe den Mut 

Auf den sozialen Seiten meiner spirituellen Seite Efeutraum habe ich vor einigen Tagen geschrieben, dass das Gehirn Verneinung nicht versteht. Die (bei den meisten Menschen) rechte Hirnhälfte, die für Kreativität, Gefühle und Erinnerungen zuständig ist, kennt nur positiv und bekommt mit der rationalen linken Hirnhälfte dann einen Konflikt.
Darum sage ich nich: Ich habe keine Angst. Ich sage: ich habe den Mut. Auch ich fürchte mich manchmal, aber grundsätzlich habe ich den Mut. Ich werde weiterhin für die Freiheit einstehen. Ich werde weiterhin für ein soziales Miteinander einstehen. Ich werde weiterhin für das Recht des Einzelnen einstehen, sein Leben leben zu dürfen. Furcht und Angst sind Emotionen und die entstehen immer in uns drin. Unsere tierischen Überlebensinstinkte reagieren auf Bedrohung, egal ob direkt oder indirekt, mit Angst. Wir sollen weglaufen. Aber schon in dem Moment, wo es keine direkte Bedrohung gibt, darf ich mein logisches Denken wieder einschalten. Ich bin ein Mensch und habe die Möglichkeit, das Recht, aber auch die Pflicht, zu denken. Ich kann mir ganz individuell klar machen, ob ich jetzt, in diesem Augenblick, wo ich in eine Decke eingewickelt auf dem Sofa sitze und schreckliche Nachrichten im Fernseher sehe, wirklich bedroht werde. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Immer schon gewesen.

Ängstliche Menschen in diesem Land verstehen nicht, dass die Menschen die sie gerade bekämpfen und vertreiben möchten, vor all dem Krieg, der Angst und dem Terror hierher geflohen sind. Diese Menschen wollen nichts weiter, als in Frieden leben. Sie haben den Schrecken zurücklassen wollen, doch er ist ihn gefolgt. Hat sich möglicherweise unter sie geschmuggelt. Gewalt und Terror wollen, dass die Menschen ängstlich sind, denn ängstliche Menschen lassen sich viel leichter instrumentalisieren.

Ich wünsche mir von Herzen, dass all die ängstlichen, die besorgten Menschen irgendwann einmal verstehen dass es bei Anschlägen nicht darum geht, einfach nur Menschen zu verletzten und zu töten. Es geht darum, Angst zu verbreiten. Es geht darum Menschen auseinander zu treiben. Es geht darum Misstrauen zu sähen. Liebe Besorgte, leider muss ich es euch sagen: ihr werdet benutzt.

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Ohnmachtsutopien

Familiendramen.
Diverse sexuelle Übergriffe in U-bahnen, auf offener Straße, in Kneipen und in öffentlichen Schwimmbädern.
Gewaltaufmärsche.
Randale in Flüchtlingsheimen.
Anschläge auf Flüchtlingsheime
Totschlag.
Männer die ihre Frauen mit einem Seil ans Auto binden und durch die Straßen schleifen.
Amokläufer, die willkürlich Menschen niederschießen.
Mütter, die mit Benzin übergossen werden und angezündet werden.
Attentate.
Krieg.

Es gibt noch so viele schreckliche und verstörende Beispiele.

Ohnmacht macht sich breit. Ich bin ein guter Mensch, aber ich kann nichts dagegen tun. Aus Ohnmacht entsteht Wut. Was sind das für Menschen, die sowas tun? Sind das überhaupt noch Menschen? Was wollen die? Können die nicht weg? Ganz weit weg?

Und dann stehe ich da. Ich bin auch ein guter Mensch. Ich fühle die selbe Ohnmacht. Die selbe Wut auf die Täter. Es nützt aber den Opfern nichts. Es nützt absolut niemanden etwas. Ich verstehe eure Gedanken und eure Wut. Gemeinsam können wir die Welt verbessern.

Lasst uns Sprachbarrieren niederreißen. Wer immer in einem anderen Land ist, muss die dortige Sprache lernen. Wer dort leben möchte, sollte mehr als nur die Grundlagen beherrschen. Dazu sind Sprachschulen und Sprachlehrer notwendig. Das ist kein Zeichen von Arroganz Seiten des jeweiligen Landes. Es geht um aller Leben. Erst wenn ich kommunizieren kann, kann ich mich auch in Notfällen ausdrücken und Hilfe rufen.

Lasst uns vorleben, wie wir die Welt haben wollen. Wenn wir uns von Angst steuern lassen, dann wird es eben eine ängstliche Welt. Wenn wir uns von Gewalt steuern lassen, wird es eine gewalttätige Welt. Aber wenn wir mit Respekt behandelt werden möchten, so müssen wir jeden, auch und gerade den, den wir nicht mögen, mit Respekt behandeln. Auch dann, wenn wir sein Handeln wirklich nicht verstehen oder ablehnen.

Ich muss nicht alles tolerieren. Aber wenn ich will, dass ein Mensch schädliches Verhalten ablegt, bringe ich ihn nicht dazu, wenn ich ihn wie Dreck behandel. Ja, es ist schwer. Nein, es gelingt mir selbst nicht immer. Aber wir können daran arbeiten.

Wenn wir wollen, dass Menschen unsere Regeln eines friedlichen Miteinanders leben, dann müssen sie diese nicht nur kennen, sondern auch ihren Hintergrund verstehen. Je mehr Menschen wir das beibringen, desto erfolgreicher wird dieses Vorhaben.

Es gibt Menschen, die völlig irrational handeln. Impulsiv, (selbst)zerstörerisch, extremistisch, zusammengefasst: Bösartig. Es ist sehr schwer zu glauben, dass ein Mensch, der Böses tut, nicht zwingend böse ist. Und doch haben wir alle von dem Attentäter gehört, dessen Familie ihn nur als liebevoll beschreiben kann. Oder die Anhängerin einer Terrorgruppe, die sich aufopferungsvoll um Waisenkinder kümmert.
Hier kann psychische Hilfe manchmal Wunder bewirken. Viel Böses entsteht aus Angst. Angst vor dem zu kurz kommen, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Veränderung, Angst vor dem Tod, Existenzangst, Bindungsangst, Verlustangst. Wenn die Angst besiegt wird, bleibt keine Leere, dann bleibt ein gutes Leben.

Leider gibt es auch Menschen, deren Ängste zu stark sind oder deren Wille, an sich zu arbeiten zu schwach ist. Es bringt nichts, diese Menschen abzuschieben. Es bräuchte ein Netz von psychiatrisch auf dem neusten Stand stehenden, geschlossenen Einrichtungen weltweit, welche sich solcher Menschen annehmen. Wo Menschen mit völlig zerstörter Psyche (und diese können nach außen hin durchaus völlig gesund wirken) weiter behandelt werden. Auch wenn sie vielleicht nie wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden können, gibt es keinen Grund, auch nur einen einzigen Menschen aufzugeben.
Mir ist klar, dass meine Vorstellungen utopisch sind, denn die heutige Gesellschaft ist in Wahrheit wenig an glücklichen und zufriedenen Menschen interessiert, sondern vor allem an Reichtum und Macht. Dennoch halte ich daran fest, denn schon manch unglaubliche Utopie der Vergangenheit wurde wahr.

„Denn jeder, der einen Menschen tötet, der gelte wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben eines Menschen rettet, der gelte wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“ (Talmud)

Nachwort:
Ich habe meine Worte bewusst so gewählt, dass sie sowohl auf Aus- wie auch auf Inländer zutreffen. Menschen, die schlecht handeln gibt es überall, ebenso wie es überall Angst gibt. Es gibt aber auch überall gute Menschen. Und wenn wir eine gesamte Bevölkerungsgruppe – egal ob es sich hierbei um ein Land, eine Region oder eine Religionsgemeinschaft handelt – auf die schlechten Menschen reduzieren, bestrafen wir auch die guten Menschen und lassen sie immer mehr allein.

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Weihnachtsmann, Christkind und heidnische Götter

Die Frage ob Weihnachtsmann oder Christkind lässt sich relativ einfach klären:

in den eher katholisch geprägten Gegenden ist es das Christkind (verniedlicht der heilige Christ). In eher evangelisch geprägten Gegenden bzw. atheistischen Haushalten ist es dagegen der Weihnachtsmann. Bis etwa zum Jahr 1535 spielte diese Frage allerdings keine Rolle, denn da war es für alle Menschen christlicher Länder der heilige Nikolaus von Myra – ein lykischer Bischof (heute in der Türkei). Erst Martin Luther schaffte für die deutschen Protestanten die Bescherung am Nikolausabend ab und verfügte, dass nur der heilige Christ gute Gaben bringen sollte. Interessanterweise wechselten über die Folgejahre heiliger Christ und Nikolaus – inzwischen als Weihnachtsmann – die Fronten. Der reformatorische heilige Christ war bei den Katholiken nun der Gabenbringer, bei den Protestanten wurde es der Weihnachtsmann.

Etymologieforscher und Theologen fanden heraus, dass die Figur des Weihnachtsmannes aus einer Vermischung des heiligen Nikolaus mit dem germanischen Gott Wodan (nordisch Odin) entstanden ist.
Wodan ist in der germanischen Mythologie ein Gott der Weisheit und des Wissens, ein Wanderer zwischen den Welten und ein Gott des Rausches. So wie dem Weihnachtsmann wandert er unter den Menschen von Haus zu Haus. So wie dieser prüft er gelegentlich die Menschen auf ihre Ehrbarkeit.
Die meisten kennen Wodan als Figur aus der Weihnachtszeit sogar. Unter dem Namen Knecht Ruprecht oder Krampus. Die Kirche hatte den heidnischen Gott zu einem Dämon erklärt und ihn zum bestrafenden Diener vom heiligen Nikolaus bzw. Weihnachtsmann gemacht.

Inzwischen bestätigt die Forschung auch, dass sowohl das Weihnachtsfest als solches, als auch der Weihnachtsmann, ebenso wie auch der Weihnachtsbaum heidnischen Ursprungs sind. Die Wurzeln des Weihnachtsfestes hatte ich bereits im Artikel „Germanische Wurzeln des Weihnachtsfestes“ aufgeführt. Und dem Weihnachtsbaum hatte ich mich in meinem Artikel „Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg“ behandelt.

Warum schreibe ich das alles?
Will ich mit Weihnachten das größte Fest der westlichen Welt und der Christenheit demontieren?
Ganz im Gegenteil. Ich möchte euch zeigen, dass all unsere Traditionen vielfältige Wurzeln haben, die uns alle verbinden. Die Völker unserer Vorfahren haben sich gegenseitig genauso beeinflusst, wie es heute statt findet. Traditionen verändern sich. Sie werden jedoch niemals bedroht. Eine Tradition wird aufrecht erhalten, solange sie für Menschen wichtig ist. Aber sie ist nicht mehr.
Ich wiederhole mich mich gerne: Ich bin froh, dass die Tradition der Menschenopfer der alten Germanen aufgegeben wurde. Von heute merkwürdig erscheinenden Heiratsritualen bis hin zu Haartracht (ich erinnere gerne an den Suebenknoten) und Kleidung (Wer trägt heute noch einen Peplos im Alltag?) gab es immer wieder Traditionen die sich entwickelt haben, weiterentwickelt haben oder aufgegeben wurden. Aber jeder kann das für sich selbst bestimmen. Keiner kann mich zwingen, christliche Lieder zu den geweihten Nächten zu singen. Ebenso werde ich von niemanden verlangen, die Rauhnächte zu zelebrieren. Niemand geht zu euch nach Hause und klaut euch den Baum aus dem Wohnzimmer. Mag sein, dass ihr in der Öffentlichkeit Dispute führt, ob es nun Wodan, Knecht Ruprecht, Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann heißen soll, doch was ihr zu Hause in eurer Stube macht, ist am Ende ganz allein eure Sache.
Ob ihr eine Weihnachtsgans ganz heidnisch-schamanisch mit Beifuß würzt oder doch lieber zu Würstchen mit Kartoffelsalat greift, schreibt euch keiner vor. Auch kein Politiker oder Ausländer oder Flüchtling oder Andersgläubige.

So wünsche ich allen Menschen, ganz gleich welcher Abstammung, Hautfarbe oder Religion ab morgen eine wunderschöne Vorweihnachtszeit, mystische Rauhnächte, einen tollen Advent und uns allen geweihte Nächte.

Quellen:

 

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BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen — emden09

Da hier die Antwort auf einen Kommentar meines letzte rebloggs geschrieben wurde, reblogge ich dies ebenfalls. Aber keine Angst, ich schreib auch schon noch mal was selbst 😉

Ja, es ist viel Arbeit da*. Aber gerade diese Arbeit zu bezahlen gelingt denen nicht, die durch Automatisierung (Computer und Roboter) Ihre Arbeitsplätze verlieren. Umschulung ist ein frommer Gedanke. Natürlich ist nicht jeder Müllwerker zur Pflegekraft geeignet, so wenig wie jeder Automechaniker als Chirurg oder Psychotherapeut. Abgekürzt: wie wir z.B. am Ruhrgebiet erkennen, dauert sogen. […]

über BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen — emden09

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Old Economy schafft Arbeitsplätze!

Was soll ich dazu sagen. Alles wichtige wurde geschrieben. Vielen Dank dafür.

emden09

Warum tu‘ ich mir das immer wieder an. Lese ich doch heute früh einen Beitrag der FAZ: New Economy schafft Börsenwert, Old-Economy schafft Jobs. Ja Herr je, wie dumm ist diese vermeintliche „Erkenntnis“? Automatisierung, Computer wurden seit jeher benutzt, um Arbeit zu erleichtern, Arbeit zu vermeiden. Dabei fielen und fallen weiterhin Arbeitsplätze weg. Wenn all die Arbeit, die durch Computer wegrationalisiert wird, bei der Herstellung der Computer wieder entstünde, wo wäre der wirtschaftliche Nutzen? Wo wäre die Existenzberechtigung für die Computerindustrie?

Nein FAZ, so wird aus dieser Argumentation kein Schuh. Die Menschen, die sich ob in Wahlen oder wo auch immer gegen Fortschritt wenden, weil der Jobs ruiniere, wollen in Wirklichkeit keine Jobs! Menschen wollen eine Existenzgrundlage und Menschen wollen eine Aufgabe – kurz Teilhabe an der Gesellschaft. Jobs waren die Antwort der Old-Economy auf dieses Bedürfnis der Menschen. BGE ist die Antwort der New-Economy.

Tatsächlich schafft…

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Symptomatische Einhornschokolade

Einige wenige haben es sicher mitbekommen. Rittersport verkauft Einhornschokolade. Also hat verkauft. An einige wenige Glückliche. Beim ersten Onlineverkauf war die begehrte Schokolade binnen weniger Minuten restlos ausverkauft. Kurz darauf tauchten die ersten Verkäufe auf Ebay auf. Preise von 666 Euro und mehr (Stand 16.11.2016) waren möglich. Und die Leute bezahlen diese Preise.
Als Rittersport merkte, wie viele Menschen immer noch so gerne diese Einhornschokolade haben wollten, haben sie, auch um die Ebayleute auszuhebeln, eine neue Auflage produziert. Laut Angaben des Herstellers gar nicht so einfach, da hier spezielle Maschinen notwendig sind, die auch deutlich langsamer arbeiten. Sie haben außerdem ihre Web-Verfügbarkeit verbessert. Dann kam der Moment, wo die Schokolade online gehen sollte und die Menschen stürmten die Seite. In einem nie dagewesenen, unglaublichen Andrang. Die Server brachen wider Erwarten zusammen.
Mit Hochdruck arbeitete das Unternehmen daran, die Problematik zu beheben – sie wollten ja auch sehr gerne verkaufen. Ab und an kam auch eine Meldung in den sozialen Netzwerken. Das muss man als Unternehmen heutzutage, denn sonst gilt das als schlechte Kundenkommunikation. Inzwischen ist die Schokolade wieder ausverkauft.

Ich muss gestehen, die Kommentare der Kunden empfand ich persönlich sehr oft und sehr viel tiefgehender als schlechte Kommunikation. Da wurde beleidigt und geschimpft, was die Tastatur hergab, nur weil eventuell diese individuelle Person keine Schokolade bekommen könnte.
Freunde und Kinder wurden vorgeschoben. Es weihnachtet doch bald. Und wenn dann nicht diese Schokolade ….

… ja was dann? Hört die Welt auf, sich zu drehen? Stirbt einer? Ich meine, es ist nur Schokolade! Und verrückte Geschmacksrichtungen gibt es zu Dutzenden auf dem Markt. Es geht beim Schenken nicht darum, wer das tollste, beste, teuerste, pompöseste Geschenk auftreiben kann, sondern ums Herz. Den geliebten Menschen in den Arm zu nehmen oder die Zeit mit den Kindern zu verbringen, statt F5-drückend vor dem Rechner, das wäre tausend mal wertvoller gewesen.

Ich habe in den letzten Tagen erkannt, warum Menschen Kriege führen. Aus ganz simplen, niederen und vor allem gierigen Beweggründen. Die Angst, zu kurz zu kommen, macht aus ganz anständigen Menschen nicht nur verbale Monster. Angst ist und bleibt ein schlechter Ratgeber.

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Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg!

Alle Jahre wieder, stets zur Weihnachtszeit
macht sich in den Köpfen braunes Denken breit.


Dieses Jahr heißt die aktuellste Sau, die durchs mediale Dorf getrieben wird, “die bösen Ausländer nehmen uns die Weihnachtsbäume weg”.

Der wahre Hintergrund ist, dass aus Kostengründen die norwegische Stadt Lillehammer der Stadt Düsseldorf nicht mehr, wie zuvor seit 35 Jahren, Jahr für Jahr einen gefällten Weihnachtsbaum schenken will.
In dieser Situation, in der eine neue Lösung gesucht wurde, hat eine Bürgerinitiative (!) den Vorschlag gemacht, statt einen gesunden Baum zu fällen, der bis zu 40 Jahre dafür wachsen muss, eine Tanne zu pflanzen und zukünftig jedes Jahr diesen Baum weihnachtlich zu schmücken.
Dieser Vorschlag fand bei grünen Politikern Anklang.

Insgesamt eine durchaus verständliche Überlegung. Kostenersparnis und Umweltschutz zusammen mit dem bewahren, weihnachtlicher Traditionen. Herz, was willst du mehr.

Für das braungefärbte Nazivolk fehlte da leider die Hetze. War aber kein Problem. Fluchs wurde aus einer berechtigten Überlegung die Aussage, ein gefällter Weihnachtsbaum sei vor dem Hintergrund andersgläubiger Flüchtlinge nicht mehr zeitgemäß. Zitat: “Deshalb, Finger weg von unserem Abendland.”
Im Netz wird dieses Thema nun als bitterböser Angriff auf die hochgelobten christlichen Werte betrachtet. Entsprechend bösartig wird gegen Flüchtlinge, Menschen ausländischer Herkunft und Andersgläubige gehetzt.  

Ich persönlich musste an dieser Stelle erst mal tief durchatmen.

Menschen, die sich sonst eher wenig um Religion im Allgemeinen und das Christentum im Speziellen kümmern, sehen plötzlich ihre Werte und Traditionen bedroht.

Nur, was sind das für Werte und Traditionen?

Der heilige Martin stammte aus einer römischen Provinz, die im heutigen Ungarn lag.
Der heilige Nikolaus stammte aus der römischen Provinz Lykien, die heute im der Türkei liegt.
Jesus von Nazareth, ein Jude, stammte aus Galiläa, heutiges Israel.
Die drei heiligen Könige aus dem Morgenland. Umstritten sind ihre Anzahl, die Namen, dass es Könige waren (eher Sterndeuter, Philosophen, Magier) und die Herkunft. Letztere wird mit größerer Wahrscheinlichkeit nach Persien also in den heutigen Iran verortet.
Der christliche Gott selbst ist mit großer Wahrscheinlichkeit in seinen Ursprüngen ein israelischer Wettergott und in seinen früheren Zeiten verheiratet.
Der Streitgegenstand selbst, der Weihnachtsbaum, hat übrigens mehr als einen Ursprung. Der Baum als solcher wurde im germanischen Heidentum als heilig verehrt. ein Hain war eine Waldgruppe, in der verschiedene Gottheiten verehrt wurden.
Bei den Römern wurden Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeer geschmückt und im Mithraskult mit einem geschmückten Baum der Sonnengott geehrt.

Und doch bin ich ganz froh, dass nicht jede kostbare Tradition germanischer Völker mehr gepflegt wird. Nicht jeder würde heute noch einen Suebenknoten tragen wollen. Auch wenn er bei den Sueben, welche den größten Teil Germaniens bewohnten, die typische Haartracht war.
Auch die Abschaffung der Tradition der Menschen- und Tieropfer kann ich heute nur begrüßen.

Traditionen dienen den Menschen. Es sollte nicht umgekehrt sein. Sie sind dazu da, einen Ausgleich zu schaffen, wenn die Veränderungen des Lebens einen überfordern. Aber sie sind nicht auf ewige Zeiten zwingend. Dennoch hat es jeder selbst in der Hand welche Tradition wichtig ist und gepflegt wird. Vielleicht werfe ich auch dieses Jahr in jeder der 12 Rauhnächte eine Rune. Unter einem Gesteck aus Tannenzweigen, die beim Weihnachtsbaumhändler um die Ecke liegen geblieben sind.

Und das muss euch nun eine germanisch-naturreligiöse Heidin mitteilen. Da denken wir doch alle mal ein wenig drüber nach.


Quellen:

https://www.welt.de/regionales/nrw/article159331247/Gruene-hadern-mit-Weihnachtsbaum-vor-Duesseldorfer-Rathaus.html
https://blog.halle-leaks.de/gruene-bekaempfen-christbaum-als-unzeitgemaess/ (Achtung: rechtspopulistische Hetzseite)
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours?wprov=sfla1
https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra?wprov=sfla1
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret
https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige
https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das
bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/jahwe/ch/116b273e55d13db9cf192fbdab85107d/#h13
http://www.at1.evtheol.uni-muenchen.de/forschung/projekte/daten/mueller_jahwe.html
https://www.welt.de/kultur/article112208654/Gottes-geschiedene-Frau-heisst-Aschera.html
http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2012-12/geschichte-weihnachtsbaum
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum
https://de.wikipedia.org/wiki/Suebenknoten
http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-15440/fakt-oder-fantasie-mythos-8-menschenopfer_aid_433665.html
http://www.efeutraum.com/2015/12/03/die-germanischen-wurzeln-des-weihnachtsfestes/

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